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Bangladesch - unbekanntes Land

Bangladesch wird in der deutschen Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Allenfalls wenn der sommerliche Monsun für verheerende Überschwemmungen sorgt oder ein Fährunglück zu beklagen ist, fällt der Blick auf das Land im Ganges-Delta.

Was viele nicht wissen:

Bangladesch hat eine lange Geschichte. In dem fruchtbaren Schwemmland in wichtiger geostrategischer Lage - am Rande des indischen Subkontinents, mit dem Himalaya im Norden und Gebirgszügen im Osten - kämpften viele um die Vorherrschaft. Die Region zählte über Jahrhunderte zu den wohlhabendsten in Südasien. Im Mittelalter vermuteten einige europäische Geographen im Ganges-Delta gar das Tor zum Paradies.

Heute ist Bangladesch nach Bevölkerungszahl das achtgrößte Land der Welt. Seine rund 150 Millionen Einwohner leben auf einer Fläche, die ungefähr doppelt so groß ist wie Bayern. In keinem anderen Land der Erde leben die Menschen auf so engem Raum - über 1000 pro Quadratkilometer.

Mehr als 700 Flüsse durchziehen die kleine Republik, darunter mit Brahmaputra und Ganges, zwei der größten Ströme Südasiens. Sie münden im Süden des Landes in ein riesiges Delta, in den Golf von Bengalen. Da Bangladesch in weiten Teilen nur wenige Meter über dem Meeresspiegel liegt, sind häufige Überschwemmungen die Folge. Reichlich Wasser und gute Böden sind ideale Voraussetzungen für die Landwirtschaft. Dennoch leiden viele Menschen Hunger. Mit einem Anteil der Bevölkerung von 81% die mit weniger als 2 US$ pro Tag leben müssen, zählt Bangladesch zu den ärmsten Ländern der Welt.

Die überwiegende Mehrzahl der Bevölkerung sind Muslime. Zwölf Prozent der Menschen gehören anderen Religionsgemeinschaften an, knapp zwei Prozent sind ethnische Minderheiten - sie alle sind zunehmenden Repressalien ausgesetzt.

Bangladesch ist eine der wenigen Demokratien in Ländern mit überwiegend muslimischer Bevölkerung - doch die wuchernde Korruption erstickt viele positive Ansätze. Menschenrechtsverletzungen sind an der Tagesordnung. Bangladesch belegt seit Jahren einen Spitzenplatz auf der weltweiten Korruptionsrangliste von Transparency International.

Der Außenhandelsumsatz wird von einem Industriebereich dominiert: der Bekleidungsproduktion. Auch in Deutschland liegen viele Kleidungsstücke "Made in Bangladesh" in den Regalen. Da sie aber nur selten als solche gekennzeichnet sind, wissen die Käufer nicht, wie nah ihnen das Delta-Land ist. Weil die bisherigen Abkommen für den internationalen Handel mit Textilien und Bekleidung bald auslaufen, ist dieser Wirtschaftszweig stark gefährdet - und damit auch Millionen Arbeitsplätze.

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